Innere Werte?

Hamburg Hauptbahnhof, 7:30 Uhr. Der ICE nach Berlin wird in wenigen Minuten abfahren. In einem Abteil der 2. Klasse sitzen zwei Frauen. Beide sind Mitte 30. Die eine blond, tolle Figur, blendende Ausstrahlung, die andere, gebildet und hilfreich...(über das Aussehen möchten wir an dieser Stelle nicht berichten). Kurz bevor der Zug anrollt, öffnet ein Mann die Tür des Abteils. Er trägt einen Anzug und ist etwa Anfang 40. "Ist hier noch frei?" Die Frauen blicken ihn kurz an, lächeln und nicken. Nachdem er seinen Aktenkoffer verstaut hat, setzt er sich ihnen schräg gegenüber. "Ganz schön warm geworden," eröffnet er das Gespräch. "Fahren Sie öfter mit diesem Zug?" "Nein, es ist das erste Mal", antwortet die eine Frau und fährt sich durchs blonde Haar. Die andere schweigt.. Der Mann überlegt: Würde ihm die Blonde ihre Telefonnummer geben?

 

Alle drei wissen es noch nicht, aber die Entscheidung darüber ist schon gefallen, bevor sie die ersten Worte wechselten. Ein kurzer Seitenblick genügt, sagen Verhaltensforscher, um ein zufälliges Gegenüber abzuchecken und das weitere Handeln - oft noch unbewusst - zu steuern. In 100 Millisekunden ist ein Mensch bewertet und eingeordnet. Das ist das Ergebnis von Versuchen, in denen Testpersonen nur kurze Zeit das Bild eines Gesichts sehen durften. Der blitzartige Eindruck reichte den Befragten, um eine verblüffend genaue Vorstellung über die Persönlichkeit des Porträtierten zu entwickeln. Darüber entscheidet - allen sachlichen Einwänden zum Trotz - an erster Stelle das Aussehen (Das gilt übrigens auch, wenn Frauen Männer beurteilen). Noch zwanzig Minuten bis Berlin. Während der Zug durch die Landschaft rast, denken beide Frauen: "Was er wohl beruflich macht. Er sieht aus wie ein Manager, vielleicht bei einer Bank oder Versicherung."

 

Zählen innere Werte gar nicht? Immerhin belegen sie bei der Analyse von Heiratsanzeigen regelmäßig die vorderen Ränge.

 

Dies gilt sicherlich auch für Möbelhäuser - gute Ware, gute Präsentation, gutes Preis- Leistungsverhältnis, gute Verkäufer, gute Serviceleistungen, usw. sind sehr, sehr wichtig, aber noch lange nicht die Basis für eine gute Kundenfrequenz und Umsatz.

 

Bei dem Blick von außen haben sicherlich viele potentielle Neukunden eine Hemmschwelle das Haus zu betreten. Auf den Erfa Tagungen in diesem Frühjahr wurden folgende Aussagen zum äußeren Erscheinungsbild der besuchten Häuser gemacht (hier nur ein Auszug aus den verschiedensten Regionen Deutschlands):


• Zur Verbesserung der Fernwirkung sollten mehr Fahnen mit Galgen eingesetzt werden.
• Fassadenelemente sollten verkleidet werden.
• Die Schaufenster sollten beklebt werden, da innen Tageslicht herrscht, eine gezielte Verkaufsraumatmosphäre nicht herstellbar ist.
• Die Rückseiten der Warenträger im Fenster sollten verkleidet werden.
• Einfahrt und Parkplatz sollten ausgeschildert sein.
• Die Fenster sollten dekoriert sein.
• Die Hinweisschilder im Umfeld sind zu klein, nicht selbsterklärend.
• Anfahrtskitze in Prospekte und Anzeigen einbringen.
• Ein Hinweisschild ist zu unauffällig, wird durch geparkte Fahrzeuge verdeckt.
• „Herzlich Willkommen-Schild" aufstellen.
• Farbe des Aschenbechers bzw. Papierkorbs ist verblasst.
• Fahrradständer in Hausfarbe anstreichen.
• Plakate von den Fenstern entfernen, besser in gesonderter Schau-Vitrine platzieren.
• Mittagspause abschaffen.
• Vom Haus geht keine Signalwirkung aus.
• Immobilie hat Wohnhauscharakter
• Alter Eingang noch sehr gut sichtbar.
• Müllhalde an Anlieferung verdecken.
• Waschbeton-Flächen reinigen.
• Parkplatzeinfahrt kennzeichnen.
• Fenster teilweise zu dunkel, innen kein Licht.
• Fahrzeuge sind uneinheitlich.
• Fenstergestaltung nicht einladend.
• Es fehlt ein Werbemast, Pylon
• Außenfarbe verblasst, Hausfassade reinigen.
• Der Schriftzug wirkt unharmonisch, altertümlich.
• Die Bezeichnung „Möbel" sollte genauso groß sein, wie der eigentliche Name.
• Gartenmöbel sollten herausgestellt werden.
• An Straßengrundstück Unkraut entfernen.
• Zigarettenkippen entfernen
• Grünflächen, auch Wildflächen pflegen.
• Lkw-Gestaltung überarbeiten. Farbe ist ausgebleicht, gesamtes Erscheinungsbild stimmt nicht mit dem übrigen Haus überein.
• Die Unternehmensgröße ist von außen nicht erkennbar.
• Die Schaufenster spiegeln sehr stark. Sie sollten stärker ausgeleuchtet sein.
• Im Fenster sind Heizkörper und Schrank-Rückseiten sichtbar.
• Die Fensterrahmen sollten gestrichen werden.
• Die Unterseite des Vordaches sollte hell gestrichen und beleuchtet sein.
Unter diesem Vordach könnten Schilder quer zum Kundenlauf mit Sortimentshinweisen abgehängt werden.
• Der Hinweis auf die Küchenabteilung sollte wesentlich deutlicher sein, er könnte durch ein großes Bild aus dem Studio ergänzt werden.

 

Fazit:
Oftmals ist das gesamte Außenkonzept grundlegend zu überarbeiten. Das Haus wirkt zu langweilig und unattraktiv. Empfehlung ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes, Fixierung von Realisierungsschritten.

 

Zurück in den Zug - als der Zug in den Berliner Bahnhof einfährt, schafft es der anscheinend gutverdienende Mittvierziger, seiner jüngeren und attraktiven Mitreisenden seine Visitenkarte zu geben. Sie steckt das Kärtchen lächelnd ein. Dann steigt sie aus - und wirft sich in die Arme eines Milchbubis in abgerissener Lederkluft. Die andere beschließt sich einer Frauenerfahrungsgruppe anzuschließen, damit auch sie Ihr Marketing (Außendarstellung) verbessert.

 

Innere Werte....

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